Gemeinschaftspraxis Dr. med. A. Rosenthal, Dr. med. B. Schubert
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Nachbehandlung und Rehabilitation nach Kreuzbandersatz

Unabhängig von der Wahl des Transplantates, Patellarsehnentechnik oder Semitendinosus-/ Gracilissehnen-Technik, weist der Sehnenersatz primär eine höhere Reißkraft als das körpereigene Kreuzband auf.

Dem Umstand, dass das Ersatzband in Ober- und Unterschenkel in einem knöchernen Kanal fixiert wird, dort stabil einheilen muss, und das Sehnengewebe als freies Transplantat einem vorübergehenden Ab- und Wiederaufbau der kollagenen Strukturen unterliegt, muss in der Nachbehandlungsphase Rechnung getragen werden.

In der Patellarsehnentechnik wird eine so genannte „Bone-Tendon-Bone“- (Knochen-Sehne-Knochen-) Technik durchgeführt mit dem besonderen Vorteil einer sehr schnellen und sicheren Verankerung und einer knöchern-stabilen Einheilung. Dies erlaubt einen schnellen Belastungsaufbau ohne Beweglichkeitslimitierung.

Bei der Semitendinosus-/ Gracilissehnen-Technik erfolgt auch eine stabile, aber etwas langsamere Einheilung des Sehnengewebes mit dem umgebenden Knochen in den Knochenkanälen. Das Sehnengewebe selbst ist grundsätzlich anfangs elastischer, so dass die maximale Beugung des Kniegelenkes für einen Zeitraum von 4-6 Wochen auf 90° limitiert ist.

Eine weitere Besonderheit nach vorderem Kreuzbandersatz muss auch im Verlauf durch den Verlust sensorischer Funktion des ursprünglichen Kreuzbandes besonders berücksichtigt werden. Durch den Riss des vorderen Kreuzbandes entsteht ein propriozeptives Defizit.

Der gesamte Rehabilitationsverlauf wird bestimmt durch eine verzögerte Wiedererlangung der sensorischen Funktion und der selbstverständlich ablaufenden, aktiven Koordination und muskulären Stabilisation des Kniegelenkes.

Wundheilung, Schmerz- und Schwellneigung sowie Koordinationsfähigkeit bestimmen Belastungsaufbau, Trainingsintensität und Rückkehr in Beruf und Sport.

Die vorübergehende Versorgung mit einer stabilisierenden Schiene (Orthese) für 6 Wochen ist allgemein anerkannter Standard.

Nach vorderen Kreuzbandersatzoperationen in Patellarsehnen-Technik ist eine Teilbelastung von 15-20 kg an Unterarmgehstützen für 2-3 Wochen einzuhalten. In der 3./4. Woche beginnt befundabhängig ein dosierter Belastungsaufbau unter krankengymnastischer Anleitung, abhängig von Schmerz- und Schwellneigung bis hin zur Vollbelastung.

Bei Patienten mit Semitendinosus-/ Gracilissehnen-Tecnhik beginnt aus den oben genannten Gründen frühestens in der 4. Woche der dosierte Belastungsaufbau.

Bis zur Abschwellung wird das Kniegelenk in einer Lagerungsschiene für etwa 1 Woche ruhig gestellt. Anschließend erfolgt bei der Patellarsehnen-Technik eine Orthesenversorgung ohne Blockierung bzw. Einschränkung der Beweglichkeit. Bei der Semitendinosus-/ Gracilissehnen-Technik wird die Beugung für 4-6 Wochen auf 90° limitiert.

Bis zur Vollbelastung sollte eine Thromboseprophylaxe mit einem niedermolekularen Heparin („Thrombosespritzen“ z.B. Fraxiparin) und das dauerhafte Tragen von Kompressionsstümpfen erfolgen. Am nicht operierten Bein kann der Kompressionsstrumpf von Patienten ohne erhöhtes Thromboserisiko nach einer Woche postoperativ Tag abgelegt werden.

Das Nahtmaterial wird ca. am 14. postoperativen Tag entfernt.

In der frühen postoperativen Phase kommen passive Bewegungsschienen (Motorschiene – continuous passive motion - CPM) und aktive Bewegungsschienen (CAMOped – „Bettfahrrad“) zum Einsatz. Begleitend können abschwellende Maßnahmen, wie Kühlung (4-5x/Tag für 10-15 Minuten), die Einnahme von abschwellenden Medikamenten (Antiphlogistika, z.B. Ibuprofen, Voltaren und Enzympräparate) und Lymphdrainagen den Heilungsprozess und das Erreichen freier Beweglichkeit und Funktion beschleunigen.

Der seit 2 Jahrzehnten gründlichst dokumentierte und analysierte, biologische und funktionelle Heilungsverlauf nach vorderen Kreuzbandersatzoperationen hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der zuvor angestrebte ganz frühfunktionelle und aggressive Belastungsaufbau jetzt doch wieder etwas zurückhaltender durchgeführt wird.

Allgemeine Alltagstauglichkeit wird in der Regel nach 3-4 Wochen, Berufs- und Dienstfähigkeit nach durchschnittlich 6-8 Wochen erreicht.

Bis zum 6. Monat erfolgt ein intensives, kontrolliertes Training. Rückkehr in sportliche Aktivitäten und Sportfähigkeit erreichen die Patienten im 6.-9. Monat.