Gemeinschaftspraxis Dr. med. A. Rosenthal, Dr. med. B. Schubert
  • Gemeinschaftspraxis Dr. med. A. Rosenthal, Dr. med. B. Schubert
  • Gemeinschaftspraxis Dr. med. A. Rosenthal, Dr. med. B. Schubert
  • Gemeinschaftspraxis Dr. med. A. Rosenthal, Dr. med. B. Schubert

Vorderer Kreuzbandriss - VKB-Ruptur - Diagnostik/Symptomatik

Die Diagnosestellung einer vorderen Kreuzbandverletzung mit Rissbildung basiert auf genauer Anamneseerhebung (Analyse des Unfallhergangs bzw. Vorgeschichte), klinischer Untersuchung, der Erfahrung des Untersuchers und Einsatz bildgebender Verfahren (Röntgen, Kernspintomographie-MRT).

Die Inspektion und Palpation ergänzt durch spezifische Funktions- und Stabilitätstests, die Röntgen- und die Kernspindiagnostik, das heutzutage sicherlich wichtigste, genaueste und zuverlässigste Untersuchungsverfahren der Bildgebung, sind unumgänglich hinsichtlich der Erfassung und Einschätzung der Wertigkeit einer vorderen Kreuzbandverletzung.

Ebenso bedeutsam ist die Feststellung oder der Ausschluss von häufig auftretenden Begleitverletzungen (z.B. Meniskus-, Knorpel-, Seitenbandschäden) und der sich daraus ergebenden Therapieplanung und eventuellen Indikationsstellung einer Operation.

Die Symptome einer vorderen Kreuzbandverletzung können sehr unterschiedlich sein. Die durch einen Unfall (Trauma) bedingte Ruptur des vorderen Kreuzbandes wird von den Patienten häufig durch ein Knacken und ein Instabilitätsgefühl im Knie beschrieben. Anschließend kann es zu einer Schwellung des Gelenkes kommen, die häufig durch einen blutigen Gelenkerguss (Hämarthros) bedingt ist. Aufgrund des Ergusses und der mechanischen Ursachen besteht häufig eine Bewegungseinschränkung.

Als Hauptsymptomatik berichten die Patienten oft über ein Instabilitätsgefühl oder auch Instabilitätssymptomatik, ohne dass diese beweisend für eine vordere Kreuzbandruptur sind. Auch gibt es Patienten, die weder eine Schwellung noch eine Bewegungseinschränkung und kein subjektives Instabilitätsgefühl beschreiben.

Wegweisend für die Feststellung einer Kreuzbandruptur ist die Überprüfung der Stabilität. Hierbei wird versucht, die Gelenkstabilität mit verschiedenen Funktionstests zu provozieren. Beim vorderen Schubladentest wird z.B. der Unterschenkel bei 90° gebeugtem Knie nach vorn (ventral) verschoben. Der Schubladentest gilt als positiv, wenn der Unterschenkel gegen den Oberschenkel in der jeweiligen Richtung um mehr als 0,5 cm verschieblich ist. Die positive, vordere Schublade ist charakteristisch für eine Schädigung des vorderen Kreuzbandes. Hinweisend für einen Riss ist der Schubladentest aber erst dann, wenn nicht nur der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel mehr als 0,5 cm verschiebbar ist, sondern wenn das vordere Kreuzband nicht mehr anspannt und der Untersucher keinen Widerstand spürt. Ein weiterer, spezifischer Test ist der so genannte Lachmann-Test in 30° Beugestellung.

Neben der klinischen Untersuchung und den speziellen Funktionstests ist die bildgebende Diagnostik mit Kernspintomographie (MRT-MagnetResonanzTomographie) das aussagekräftigste Verfahren, um die Verdachtsdiagnose einer vorderen Kreuzbandruptur zu bestätigen und ihr Ausmaß zu beurteilen. Schnittbildserien erlauben eine genaue Beurteilung nahezu aller Gelenkstrukturen.

Zur genaueren Beurteilung einer Kreuzbandverletzung können spezielle Feinschnittaufnahmen im Faserverlauf in der Ebene des Kreuzbandverlaufes beitragen. Sichere Zeichen für eine vordere Kreuzbandruptur im MRT sind die vollständige Kontinuitätsunterbrechung des vorderen Kreuzbandes oder ein fehlendes, nicht darstellbares Kreuzband.

Im MRT können dargestellte Teilrisse (Teilrupturen) auch schwer beurteilbar sein und verbergen nicht selten eine vollständige Rissbildung.

Frische Verletzungen bei Sportlern führen häufig zu akuten Kreuzbandrupturen. In den meisten Fällen kommt es durch eine Kombination aus Verdrehen (Rotation) und einer heftigen Beugebewegung (Hyperflexionstrauma), z.B. bei einem plötzlichen Richtungswechsel aus der Bewegung heraus, durch Fremdeinwirkung beim Zweikampf im Sport oder durch einen Sturz zu einer Schädigung des Kreuzbandes.

In der Mehrzahl finden sich begleitende Kapsel-Band-Verletzungen und Schäden (Läsionen) des Innen- und Außenmeniskus. Durch die Rotations-Kompressionsbewegung können im Rahmen des Unfalls frische Knorpelschäden oder auch Knorpel-/Knochenprellungen entstehen, die sich im MRT als sogenannte „bone bruise“ oder Knochenmarksödem darstellen.

Degenerative Kreuzbandrisse haben meistens eine zeitlich fortschreitende Entwicklung und somit einen längeren Symptomverlauf. Die Symptome sind verglichen mit einer akuten Ruptur häufig nicht so stark ausgeprägt. Es entwickelt sich ein zunehmend störendes Gefühl bedingt durch eine Verdickung des Kreuzbandes, stellenweise auch einhergehend mit einer Gelenkschwellung. Degenerativen Kreuzbandrupturen geht überwiegend kein akutes Trauma voraus. Oft sind Bagatellereignisse der Auslöser, dass ein degenerativ verändertes bzw. geschädigtes Kreuzband reißt.

In vielen Fällen bemerkt der Patient es zunächst gar nicht, dass er eine Kreuzbandruptur mit sich daraus ergebender, aber symptomarmer Instabilität hat. Im Verlauf entstehen durch die Instabilität Begleitschäden, z.B. Knorpel- oder Meniskusschäden, die dann zu einer akuten Symptomatik oder fortschreitendem Verschleiß führen.

Nach Abklingen akuter Beschwerdesymptome und Schwellung folgt häufig eine Besserung mit einem subjektiv beschwerdearmen oder beschwerdefreien Intervall. Weiter bestehende, instabilitätsbedingte Dreh-und Gleitbewegungen im Kniegelenk (Mikroinstabiliät) können trotz subjektiver Stabilität und Beschwerdefreiheit zu schweren Schädigungen an Meniskus und Knorpel führen. Eine deutliche Instabilitätssymptomatik (Makroinstabilität) wird meist subjektiv wahrgenommen und kann häufig und jederzeit zu einer erneuten, frischen Verletzung mit Schädigung der Kniebinnenstrukturen führen.

Ein dauerhafter, muskulärer Ausgleich der Instabilität, auch durch intensives Auftrainieren der Oberschenkelmuskulatur, gelingt nur in den seltensten Fällen.

Trotz aller diagnostischen Möglichkeiten kann das endgültige Schadensausmaß erst im Rahmen einer arthroskopischen Operation abschließend beurteilt werden.

Die Mikro- und Makroinstabilität, bedingt durch einen vorderen Kreuzbandriss, entsteht durch das vermehrte Verschieben zwischen Unter- und Oberschenkel. Diese unerwünschten Schub-, Scher-, und Reibekräfte, die auf die Gelenkflächen ausgeübt werden, führen zu Meniskusschäden und Knorpelschäden und auf Dauer zu einer irreversiblen Arthrose.

In der Regel besteht die Indikation zu einem vorderen Kreuzbandersatz, um Folgeschäden und erneute Verletzungen zu vermeiden und das Mobilitäts- und Aktivitätsniveau zu erhalten.